Decktagbestimmung
Damit
auch wirklich alles klappt …
Decktagbestimmung
nach dem Vorbild der Veterinärmedizinischen Universität Wien
„Hat
sie? … Oder hat sie nicht?“ – Es wird wohl kaum einen Züchter geben, für den
die kleine, und doch so große Frage in diesen wenigen Worte nach dem Deckakt
seiner Hündin nicht im Mittepunkt des Denkens steht. Wer ist nicht sicher, daß
der Blick der Hündin alles sagt? Und doch kommen dann wieder Zweifel - was ist
Wunschdenken? Was ist Realität? Es ist ein nicht enden wollendes Deuten
„geheimer Zeichen“ in den ersten Wochen der Trächtigkeit, beleitet von
unzähligen Gedanken der Freude und Sorge, begleitet von großen und kleinen
Ängsten, vor allem aber von den echten tiefen Gefühlen, mit denen wir unsere
geliebte Hündin auf dem Weg zum Wunder der Geburt begleiten.
Immer
wieder passiert es, dass man die enttäuschende
Feststellung machen muß: „Die Hündin ist leer geblieben!“ Viele Ursachen kommen
dafür in Frage, manche lassen sich erst zu Beginn der nachfolgenden Läufigkeit
wieder diagnostizieren. Sicher spielen das Inzuchtniveau und die daraus
resultierende biologische Fitness der Zuchttiere eine
wichtige Rolle, sicher ist es möglich, dass die
Befruchtung der Eizellen zwar erfolgte, die Hündin aber die Früchte in den
ersten Wochen der Trächtigkeit unmerklich resorbiert hat. Der häufigste Grund
für ein Leerbleiben der Hündin aber liegt nach wie vor darin begründet, dass der Deckzeitpunkt nicht optimal war bzw. eine ungenaue
Decktagbestimmung nicht der biologischen Realität entsprach.
Eine
Decktagbestimmung nach optimalem medizinischem Standard, wie sie beispielsweise
an der Veterinärmedizinischen Universität Wien mit großem Erfolg durchgeführt
wird, hilft Züchter UND Hündin – und nicht zuletzt dem Deckrüden –
Enttäuschungen und vor allem viel viel Stress zu ersparen. Eine vollständige
und punktgenaue Decktagbestimmung läuft an der Wiener Vet
Med folgendermaßen ab: Im Durchschnitt kommt man
dreimal mit der Hündin zur Untersuchung, wobei es da durchaus von Hund zu Hund
Unterschiede gibt, je nachdem an welchem Tag der Eisprung stattfindet. Aber es
ist überaus wichtig, die Hündin am vierten oder spätestens fünften Tag der
Läufigkeit erstmals dem Tierarzt vorzustellen, falls eine antibiotische
Behandlung vor dem Decken nötig ist. Erfahrungsgemäß ist der Stress, den diese Tierarztbesuche und Untersuchungen
hervorrufen, für eine normale wesensfeste Hündin mit einer gesunden Vertrauensbasis
zum Züchter weit geringer als der eines schwierigen bzw. nicht optimal
verlaufenden Deckakts.
Die Untersuchung besteht standardmäßig aus
drei Teilen:
1. VAGINALE
INSPEKTION
Hierbei wird die Gleitfähigkeit der Scheidenwand, die
Schleimhautbeschaffenheit (Fältelung) sowie das Läufigkeitssekret beurteilt. Im
Proöstrus, also in der ersten Phase der Läufigkeit,
bewirken die hohen Östrogenwerte eine starke Ödemisierung
und den blutigen Fluor. Es gibt keinen Haftwiderstand in der Vagina, die
Schleimhaut erscheint aufgequollen. Im Östrus, also
in der Phase, in der der Eisprung erfolgt, geht mit dem Östrogenabfall und dem
fast zeitgleichen Progesteronanstieg die Ödemisierung zurück, der Fluor wird blutig-wässrig,
der Haftwiderstand in der Vagina steigt, die (Sekundär-)fältelung
wird durch die sich langsam entquellende Schleimhaut
immer deutlicher sichtbar.
2. ZYTOLOGIE
DES VAGINALABSTRICHS
Unter dem Einfluss des Östrogens
am Beginn der Läufigkeit vermehren sich die Zellen der Vaginalschleimhaut.
Diese Zellen sterben zum Östrus hin ab, wodurch auch
die oben erwähnte stärkere Haftwirkung entsteht. In der zytologischen
Beurteilung wird also festgestellt, wie viele vitale Zellen (Zellen mit großem
Zellkern) der Abstrich enthält, wie viel intermediäre (Zellen mit bereits
geschrumpftem Zellkern und beginnender Verhornung der Membran) und wie viele
ganz verhornte oder auch abgestorbene Zellen. Wenn der Anteil dieser
abgestorbenen Zellen deutlich steigt bzw. einen bestimmten Wert überschritten
hat, ist die Hündin im Östrus angekommen.
Gleichzeitig werden bei dieser zytologischen Untersuchung
die weißen und roten Blutkörperchen beurteilt. Zu viele weiße Blutkörperchen
deuten auf eine Entzündung hin. Darüber hinaus werden eventuelle Keime
sichtbar, die auf eine zyklusabhängige Erhöhung der natürlichen Scheidenmilieus
hinweisen ( man spricht von einer Verkeimung ), und die zumeist mit einer einmaligen
örtlichen antibiotischen Behandlung somit rechtzeitig
vor dem Deckakt unschädlich werden.
3. PROGESTERONBESTIMMUNG
Hier gibt es verschiedene Messsysteme.
An der Veterinärmedizinischen Universität Wien wird RIA (Radioimmunoassay)
verwendet. Diese Auswertungsmethode hat wenig bis nichts mit den in der
gängigen Haustierarztpraxis üblichen Schnelltests (Farbtests)Ovucheck oder Target zu tun, die eine wesentlich geringere
Aussagekraft haben und damit auch keine optimale Sicherheit für den richtigen
Decktag bieten können. Die Testergebnisse dieser Schnelltests,
verschiedene Blaustufen bis farblos, werden anhand von standardisierten
Vergleichsseren und/oder mit Farbtabellen verglichen und einer entsprechenden Progesteronkonzentration zugeordnet. Diese Tests sind zwar
ausgesprochen anwenderfreundlich, aber zugleich äußerst ungenau, da lediglich
der Farbumschlag beurteilt wird. „Weiß“ beispielsweise bedeutet dann „Fahren
Sie bitte bald zum Decken!“ Bei der RIA-Messmethode
hingegen wird die Konzentration des Progesterons in
einem genauen Wert in nmol/l oder ng/g angegeben, der für die Bestimmung des
genauen Ovulationszeitpunktes unerlässlich ist. Bevor der Zeitpunkt des Eisprungs (der ideale Deckzeitpunkt ist
48 Stunden danach!) nicht zweifelsfrei bestimmt ist, macht es wenig Sinn, die
Hündin dem Rüden zuzuführen, scheidet hiermit doch auch das eventuelle Problem
eines ausbleibenden Eisprungs als Grund für das Leerbleiben der Hündin aus.
Mit
der Sicherheit dieser exakten Decktagbestimmung im Gepäck können Züchter und
Hündin dann endlich auf die große Reise gehen, und wir können dem natürlichen
Deckakt entspannt seinen Lauf lassen, damit er – und sei der scheinbare
Widerspruch dieses vermenschlichenden Denkens zu den genauen medizinischen
Vorbereitungen auch noch so groß – wirklich „zum schönsten Moment“ im Leben der
Hündin wird. Ist es nicht gerade die Gewissheit einer
optimalen Vorbereitung, die uns jetzt die für unser „Pärchen“ so wichtige
Gelassenheit gibt, den „Rest“ getrost Mutter Natur zu überlassen
...
(Zusammenfassung
nach einem Vortrag von Dr. Petra Berghold/Veterinärmedizinische Universität
Wien im Rahmen der vom ÖKV angebotenen Fortbildungsseminare für Züchter.)