Herzuntersuchung nach CC-Standard

in Österreich

Erste CC-Herzuntersuchungsstelle in Österreich

 

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Herzuntersuchung nach CC-Standard in Sattledt in entspannter und boxerfreundlicher Atmosphäre

 

Die Herzuntersuchung des Boxers bezüglich erblicher und angeborener Herzerkrankungen, insbesondere der Subaortenstenose und der Pulmonalstenose, gehört in der europäischen Boxerzucht längst zum Standard.

In der Häufigkeit der Todesursachen bezogen auf alle Rassen nahmen einer Untersuchung von Frau Dr. Eichelberg (VDH) aus dem Jahr 2001 zufolge die Herz- und Kreislauferkrankungen den zweiten Platz ein und bildeten eine durchschnittliche Todesursache von 16,3%. Über diesem Durchschnitt von 16,3% lagen neben Yorkshire Terriern, Pudeln, Schnauzern und Teckeln auch unsere Boxer mit 22,4%. Weiter führte Frau Dr. Eichelberg damals aus, dass durch planvolles Züchten diese nicht zu akzeptierende hohe Prozentzahl von 22,4% der Todesursachen durch Herz- und Kreislauferkrankungen beim Boxer behutsam über einige Generationen verringert werden kann, was verschiedenen Aufzeichnungen und Informationen zufolge auch bereits eingetreten scheint.

 

Dabei  stehen aber seit Jahren immer wieder der Umfang der Untersuchung und die Einteilung in verschiedene Grade einer Herzerkrankung zur Diskussion. Die unterschiedliche Durchführung und Qualität der Untersuchung ist abhängig vom Untersucher und führt leicht zu einer uneinheitlichen Beurteilung. Eine derartige Situation herrschte auch in Deutschland, als der BK 1997 eine Liste von selbsternannten Kardiologen herausgab, die Screeninguntersuchungen durchführen durften. Als massive Probleme auftraten, beschloss der VDH damals gemeinsam mit dem BK, dass nur mehr geprüfte Kardiologen als Untersucher akzeptiert werden. Die Kardiologen des Collegium Cardiologicum (Gesellschaft zur Qualitätssicherung von Zuchttauglichkeitsuntersuchungen) haben ein solches Zulassungs- und Prüfungsverfahren absolviert. Der Sinn dahinter ist, dass jeder dieser Kardiologen eine Herz-Zuchtuntersuchung auf dieselbe Art und Weise durchführt. Das CC hat als einzige Institution diesbezüglich einen Untersuchungsgang definiert.

Derzeit baut sich das CC bereits in Holland auf, der Boxerclub Niederlande erkennt Untersuchungen anderer Stellen nicht mehr an. Die CC-Untersuchungen  haben weiterhin den Vorteil, dass sich die Bewertung der Herzgesundheit nicht mehr nur auf Graduierungen von Ausflussgeschwindigkeiten stützt, sondern eine Gesamtbeurteilung des Herzens erfolgt, das heißt, auch andere mögliche Erkrankungen des Herzens werden untersucht, befundet und bewertet.

 

Werfen wir einen kurzen Blick auf die Funktion des Herzens: Das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge fließt in die linke Vorkammer und durch ein „Einlassventil“ in die linke Hauptkammer, weiter über ein „Auslassventil“ (Aortenklappe) in die Aorta, die Hauptschlagader, und in den Körper. Dort wird der im Blut vorhandene Sauerstoff verbraucht, das Blut gelangt über die Körpervenen zurück in den rechten Vorhof und durch ein „Einlassventil“ in die rechte Hauptkammer. Über ein weiteres „Auslassventil“ (Pulmonalklappe) fließt das Blut dann wieder in die Lunge, um dort erneut mit Sauerstoff angereichert zu werden. Nun treten gerade beim Boxer gehäuft Verengungen direkt unterhalb der Aortenklappe (Subaortenstenose) an der Aortenklappe (valvuläre Aortenstenose) oder oberhalb der Aortenklappe (Supravalvuläre Aortenstenose) auf. Genauso werden auch die Engstellen an der Lungenschlagader (dem Auslassventil des rechten Herzens) definiert.  Eine solche Verengung führt dazu, dass das Blut durch eine wesentlich höhere Kraftanstrengung des Herzens mit einer erhöhten Geschwindigkeit aus dem Herzen ausgeworfen wird (ähnlich, wie wenn man einen Gartenschlauch am Ende mit dem Finger teilweise zuhält. Die Auswurfgeschwindigkeit ist somit ein diagnostisches Kriterium zur Beurteilung des Schweregrades einer Stenose. Ist die Verengung sehr stark ausgeprägt, kommt es früher oder später, vor allem bei Anstrengung, zu Bewusstlosigkeitsanfällen bedingt durch Sauerstoffmangel im Gehirn. Hochgradige Fälle führen in der Regel innerhalb der ersten drei Lebensjahren zum Tod.

Außer Subaorten- und Pulmonalstenosen können auch Missbildungen der Trikuspidalklappe (Einlassventil in die rechte Hauptkammer), Löcher in der Vorhof-Herzscheidewand etc. vorkommen. All diese Erkrankungen werden vom CC im Rahmen der Zuchtuntersuchung berücksichtigt und im CC-Befundbogen dokumentiert. Im Gegensatz zu den USA ist die beim Boxer erbliche ARVC (Arrhythmogene rechtsvetrikuläre Kardiomyopathie), eine tödlich endende Erkrankung des Herzmuskelgewebes, in Europa nicht so häufig, kommt aber doch auch vor. Das CC hat auch diese Erkrankung im Auge und empfiehlt Nachuntersuchungen in bestimmten Abständen, um Vergleiche ein und desselben Individuums in bestimmten Zeitintervallen zu dokumentieren. So sind nicht wenige Boxer, welche einen sogenannten Übergangsbefund hatten, zwei Jahre später völlig in der Norm. Oder zeigen eben andere Herzerkrankungen, die mit den Stenosen nichts zu tun haben, wie die DCM (Dilatative Kardiomyopathie) oder die oben erwähnte Arrhythmogene Kardiomyopathie.

 

Nach der Erhebung aller in der Untersuchung festgestellten Werte wird in einer Gesamtbeurteilung nach CC-Maßstäben eine Einordnung des Befundes in die Stufen 0 bis 3 vorgenommen. Eine Subaortenstenose 2. Grades lt. früherer BK-Untersuchung könnte hier bei ansonsten vollkommen normalen anderen Werten zu einer Gesamtbeurteilung „Grad 1“ führen. Andererseits kann das Vorhandensein anderer maßgeblicher Herzerkrankungen selbst bei normaler Aorten-Auswurfgeschwindigkeit zur Gesamtbeurteilung „Grad 2“ führen.

 

Unabhängig von den züchterischen Konsequenzen der Befundung erhebt das CC Daten der gesamten Boxerpopulation. Dadurch ist es möglich, einen Überblick über die Herzgesundheit bei Boxern im Allgemeinen bzw. auch unterteilt in die teilnehmenden Länder zu erhalten. Züchterische Maßnahmen hinsichtlich Herzgesundheit können so verlässlich überprüft, die Zucht auf internationaler Ebene sinnvoll verbessert werden.

 

Seit Mai 2010 haben wir nun auch in Österreich ein geprüftes und zertifiziertes CC-Mitglied und damit die Möglichkeit, unsere Boxer nach CC-Standard untersuchen zu lassen.  Dr. Peter Modler, FTA f. Kleintiere und Leiter des Herzzentrums der Tierklinik Sattledt, hat am 8. Mai 2010 in Gießen die CC-Prüfung abgelegt und ist ab sofort berechtigt, CC- Untersuchungen durchzuführen. Es wäre im europäischen Kontext wegweisend, wenn die Züchter des ÖBK ihre Boxer ausnahmslos nach den einheitlichen CC-Kriterien untersuchen und beurteilen ließen. Diese stellen derzeit den State of the Art der veterinärmedizinischen Kardiologie dar. Ein Engagement in dieser Richtung würde deutlich demonstrieren, dass die Gesundheit unserer Boxer den höchsten Stellenwert hat.

Jeder kardiologisch tätige Tierarzt hat die Möglichkeit, sich dem Zulassungs- und Prüfungsverfahren zu unterziehen, es ist daher wahrscheinlich, dass in Zukunft mehrere CC-Mitglieder in Österreich tätig sein werden. Bis dahin ließe sich beispielsweise die Möglichkeit organisieren, unsere Boxer im Rahmen von Züchtertreffen o.ä. in Form von Sammeluntersuchungen in den einzelnen Bundesländern untersuchen zu lassen. Vermeiden sollten wir in jedem Fall eine Beurteilung unserer Boxer mit unterschiedlichen Maßstäben  oder gar mit selbstgeschneiderten Rezepten, die jeder züchterisch verantwortbaren Grundlage entbehren.

 

Weitere Informationen zu diesem Thema:

Dr. Peter Modler

Herzzentrum der Tierklinik Sattledt

Veterinärstraße 2

4642 Sattledt

Telefon 0 72 44-89 24

www.vetclinic.at

office.sattledt@vetclinic.at

 

Herzlichen Dank an Dr. Peter Modler und Dr. Ralph Wendt aus Deutschland für die Mitarbeit an diesem Beitrag.

 

 

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