Genetische Studie zum Übergangswirbel bei Hunden

 

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Aktuelles über den Übergangswirbel des Hundes

von Dr. Florian Willmitzer

 

Die Hüftgelenksdysplasie (HD) ist wohl jedem Hundehalter bekannt und die Sinnhaftigkeit ihrer

Untersuchung im Rahmen der Zuchtuntersuchungen stellt kaum jemand in Zweifel. Ziel aller von

gewissenhaften Zuchtverbänden getroffenen Entscheidungen sollte das Gesundhalten der Rasse sein.

Dabei ist es natürlich wichtig, auf wissenschaftlich neu gewonnene Erkenntnisse angemessen zu

reagieren und diese gegebenenfalls in die Zuchtrichtlinien einfließen zu lassen.

In den letzten Jahren konzentrierte sich das wissenschaftliche Interesse, geleitet durch die Möglichkeit

von genaueren Untersuchungen (CT, MRT), zunehmend auf die Kreuzbeinregion. Physiologisch besteht

das Kreuzbein des Hundes aus drei miteinander verschmolzenen Wirbeln, welche durch das Kreuzbein-

Darmbeingelenk eine Verbindung zum Becken aufweisen. Allerdings sind im Falle eines

Übergangswirbels Störungen dieser Verschmelzungen vorhanden.

 

Sie können in drei Typen unterteilt werden.

 

Typ 1:

Bei Typ 1 sind etwa der 1. und 2. Kreuzwirbel nicht verschmolzen, jedoch ist eine normale Verbindung

zum Becken vorhanden.

 

Typ 2:

Eine Missbildung mit einem vom Kreuzbein vollkommen getrennten Wirbel, welcher Querfortsätze aufweist und keine Verbindung zum Becken hat, wird als Typ 2 Missbildung angesprochen. Sie wird auch als „symmetrischer Übergangswirbel“ bezeichnet.

 

Typ 3:

Die dritte Variante weist ebenfalls einen vom Kreuzbein vollkommen getrennten Wirbel auf, welcher einerseits eine einseitige Verbindung zum Becken zeigt und andererseits einen Querfortsatz aufweist. Dieser Typ 3 wird auch als „asymmetrischer Übergangswirbel“ bezeichnet. Hunde mit asymmetrischen Übergangswirbeln stellen sich röntgenologisch meist „schief“ dar, d.h. eine symmetrische Lagerung im Zuge des HD-Röntgens ist nicht möglich, da die Wirbelsäule in sich verdreht sein kann und zusätzlich auch einen Knick nach der Seite aufweist.

 

Was bedeuten diese Veränderungen für den Hund?

 

An der Veterinärmedizinischen Universität werden immer wieder Hunde vorgestellt, welche Leistungsabfall bei der Arbeit zeigen bzw. Aufgaben unterbrechen oder verweigern. In drastischeren Fällen zeigen die Tiere bei der Mannarbeit Schmerz und weisen Lahmheiten auf. Oft fällt dem Besitzer auch auf, dass sein Tier nicht mehr Stiegen steigen will oder Probleme hat in das Auto zu springen. Ursache in solchen Fällen kann das Cauda equina [Kompressions-] Syndrom (CE[K]S) sein. Darunter versteht man eine vermehrte Beweglichkeit mit einem zusätzlichen Einklemmen, sowie einer möglichen Entzündung der Segmentalnerven am Übergang der Lendenwirbelsäule zum Kreuzbein. CES betrifft auch Hunde ohne Missbildung an diesem Übergang (meist ab einem Alter von 6,5 Jahren), bei Hunden mit einem Übergangswirbel ist das Risiko am CES zu leiden jedoch 5mal höher und meist erkranken sie auch ein bis zwei Jahre früher! Ein Grund dafür ist die veränderte Beweglichkeit und Kraftverteilung in diesem sonst gut beweglichen Wirbelsäulenabschnitt. Hinzu kommt, dass sich die Hüftgelenke bei Hunden mit einem asymmetrischen Übergangswirbel sehr unterschiedlich entwickeln und es durch die Schiefstellung des Beckens zusätzlich zu einer ungleichmäßigen Belastung mit all ihren Folgen (Arthrosen und Schmerzen) kommt.

 

Der genaue Erbgang ist noch nicht vollständig (wissenschaftlich/statistisch) geklärt, jedoch kann ein gehäuftes Vorkommen in gewissen Rassen und Linien durchaus beobachtet werden. Dies lässt schlussfolgern, dass der Übergangswirbel nicht als zufällige Variante zu werten ist, sondern eine erbliche Anomalie darstellt. Die Klinik für Bildgebende Diagnostik der Veterinärmedizinischen Universität Wien ist daher dazu übergegangen, alle Arten des Übergangswirbels im Zuge der Zuchtuntersuchung (HD) zu werten und empfiehlt nach heutigem Erkenntnisstand nur eine Zucht mit Hunden, welche keine Anomalie des Kreuzbeins aufweisen.

 

vetmed_logo_RGBDr. Florian Willmitzer

seit 2005 Universitätsassistent an der Klinik für Bildgebende Diagnostik

Veterinärmedizinische Universität Wien

florian.willmitzer@vetmeduni.ac.at

 

 

UNKNOWN_PARAMETER_VALUE (2)Bilderklärung

Typ 3 Übergangswirbel (asymmetrischer Übergangswirbel) –

erster Kreuzbeinwirbel (1) nicht mit den restlichen Kreuzbeinwirbeln

verschmolzen (2 + 3). Einseitige Verbindung des ersten Kreuzbeinwirbels

mit dem Beckenknochen (weißer Pfeil) sowie Ausbildung eines Querfortsatzes

an der gegenüberliegenden Seite ohne Verbindung zum Becken (schwarzer Pfeil)

 

 

In Zusammenarbeit mit der Vetmeduni Vienna leiten

Raute Sunder-Plassmann und Univ. Prof. Dr. Oswald Wagner

an der Medizinischen Universität Wien das Forschungsprojekt

zu den genetischen Ursachen für das Auftreten

des Übergangswirbels.

 

 

Für diese Studie wird Blut von Hunden benötigt, die laut radiologischem Befund

einen Übergangswirbel in Höhe des letzten Lendenwirbels bzw. des Kreuzbeins

aufweisen.

 

Aus den Blutproben wird das Erbmaterial, die DNA, isoliert. Durch vergleichende Analysen der DNA von erkrankten und gesunden Hunden (am besten Wurfgeschwister oder eng verwandte Tiere) sollen Gene bzw. Genveränderungen (Mutationen) identifiziert werden, die mit der Veranlagung für Übergangswirbel assoziiert sind oder diese sogar verursachen. Mit Hilfe neuster Technologie (Canine 127K SNP array der Firma Affymetrix http://www.broad.mit.edu/mammals/dog/caninearrayfaq.html) können 127.000 verschiedene Genveränderungen bei Hunden und damit individuelle genetische Unterschiede erfasst werden. (nähere Info siehe: http://www.meduniwien.ac.at/DNA-MicroarrayFacility/ ).

 

Sollten Sie einen Röntgenbefund Ihres Hundes haben, in dem eine Veränderung im Lendenwirbelsäulen-Kreuzbein-Bereich beschrieben wird, möchten wir Sie ersuchen, mit uns Kontakt aufzunehmen.

 

Dieses Projekt wird gemeinsam von der Medizinischen Universität Wien (Klinisches Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik) und der Veterinärmedizinischen Universität (Klinik für Bildgebende Diagnostik) durchgeführt. Für nähere Informationen wenden Sie sich bitte an raute.sunder-plassmann@meduniwien.ac.at oder florian.willmitzer@vetmeduni.ac.at