Weiße Boxer in der Zucht

 

Deutschland, das standardgebende Mutterland des Boxers, steht kurz davor, über eine Standardänderung weißen Boxern die Zuchterlaubnis zu erteilen. Die entsprechenden Verfahrung zur Änderung des Standards sind eingeleitet und gelten nach Inkrafttreten international.

 

Einfach zum Nachdenken hier einige Ausschnitte aus aktuellen internationalen Publikationen:

 

 

Aus:”In dogs, a shortcut to mapping disease genes”
By Leah Eisenstadt, Communications
Published October 1, 2007

 

In the first stage of mapping the coat color trait, the researchers analyzed ten white and nine solid boxers using the microarray to pinpoint SNPs associated with white coat color. The highest-ranking SNP from their analysis resides in a section of the dog genome that contains one gene, called MITF, an important developmental gene associated with both pigment and auditory disorders in humans and mice. To more precisely characterize the color-controlling gene and identify the mutation(s) in white dogs, the study was expanded in the second stage to a larger

regulates the activity of the MITF gene.

 

Übersetzung:

Im ersten Schritt der Gen-Kartierung für das Merkmal weiße Fellfarbe, analysierten die Forscher 10 weiße Boxer und 9 ausgefärbte Boxer, um mit Hilfe des Mikrospektrums die SNPs ( Single Nucleotide Polymorphism, Variationen einzelner Basenpaare in einem DNA-Strang)zu ermitteln, die die weiße Fellfarbe bedingen. Das ranghöchste SNP ihrer Analysen befindet sich in einem Abschnitt des Hunde –Genoms, das ein Gen enthält, welches MITF genannt wird. MITF ist ein wichtiges Entwicklungs-Gen, welches verbunden ist mit den beiden Komponenten „Pigment“ und „auditiven Störungen“ bei Mensch und Maus. Um das Farbkontrollierende Gen präziser zu charakterisieren und die Mutationen an weißen Hunden zu identifizieren, wurden die Studien auf eine größere Ansammlung von Proben ausgeweitet, mit den beiden Rassen Boxer und Bullterrier, welche ebenfalls dieses Merkmal für weiße Fellfarbe tragen. Das Ergebnis ist, dass das Team die ursächliche Mutation (für weiße Fellfarbe) an einer Stelle des Hunde-Genoms lokalisieren konnte, welche die Aktivität des MITF-Gens reguliert.

Quelle: http://www.broadinstitute.org/news/110



 

Prof. Irene Sommerfeld-Stur faßt die Thematk unter dem zumindest in Österreich tierschutzrelevanten Begriff der Qualzucht wie folgt zusammen:

 

„Gemeint ist hier auf der einen Seite die sensorineurale Taubheit (Taubheit die durch Störung der Reizübertragung im Innenohr zustande kommt) bei Hund und Katze, die im Zusammenhang mit bestimmten Formen von weißer Farbe bzw. von Scheckung auftritt. Die Assoziation ergibt sich in diesen Fällen daraus, dass eine der Ursachen für weiße Farbe eine Störung der Melanozytenmigration während der embryonalen Entwicklung ist. Melanozyten sind die Zellen, die für die Produktion des Pigmentes zuständig sind. Sie entwickeln sich zunächst im Bereich des Neuralrohres und verteilen sich im Verlauf der späteren Embryonalzeit über die Hautoberfläche. Unterbleibt diese Verteilung teilweise oder ganz entsteht Scheckung bzw. Weißfärbung. Neben ihrer Aufgabe im Rahmen der Pigmentbildung haben Melanozyten aber auch Funktionen im neurologischen Bereich. So sind sie im Innenohr für die Übertragung der akustischen Reize zuständig. Fehlen sie im Innenohr, kann der akustische Reiz nicht übertragen werden, das Tier ist taub.“ 

 

Quelle: www.sommerfeld-stur.at

 

 

 

 

Die Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin schreibt:

 

Ein sensorineuraler Hörverlust ist meistens die Folge einer angeborenen oder vererbten Erkrankung des Innenohrs und tritt in der Regel bereits beim Welpen in Erscheinung. Gesunde Jungtiere hören ungefähr ab der zweiten Lebenswoche, wenn sich der Gehörgang geöffnet hat und so lässt sich eine Taubheit auch bereits in frühem Alter erkennen. Zahlreiche Rassen wie der English Setter, Bull Terrier, Jack Russell Terrier, Dogo Argentino oder Australian Cattle Dog, um nur einige zu nennen, sind von der erblichen Form der sensorineuralen Taubheit betroffen.
Hörverluste durch sensorineurale Ursachen sind in der Regel endgültig, da einmal zerstörte Sinneszellen bei Säugetieren nicht regenerationsfähig sind (im Gegensatz zu den Vögeln, bei denen wenigstens bei Jungtieren eine Regeneration stattfinden kann).

Das Paradebeispiel für eine Hunderasse mit vererbter Taubheit ist der Dalmatiner. Dies liegt einerseits sicher an der Häufigkeit von ein- und beidseitig tauben Dalmatinern, die in Populationen ohne entsprechende Maßnahmen über 20% liegen kann. Andererseits haben gerade die Dalmatinerclubs eine führende Rolle in der Bekämpfung dieses Problems eingenommen und nicht versucht, das Problem zu verschweigen. Vor allem dieser Hunderasse ist ein Grossteil unseres heutigen Wissens über die so genannte sensorineurale Taubheit zu verdanken.
Die Ursache für diese Form von Taubheit liegt in einer Degeneration von Anteilen des Innenohrs. Beim Gesunden ist einer der hauptsächlich betroffenen Innenohranteile, das so genannte Corti-Organ, mit einem Rasen von Haarzellen besetzt. Diese haarähnlichen Fortsätze dienen der Aufnahme und Verarbeitung von akustischen Reizen. Im Gefolge von komplexen Mechanismen, bei denen Pigmentzellen (Melanozyten) eine Rolle spielen, degenerieren diese Zellen und werden zerstört. Damit fehlen dem Hund die „Antennen“, um Geräusche aufzufangen und an das Gehirn weiterzuleiten. Es gilt als gesichert, dass die Ursache der Innenohrdegeneration erblicher Art ist. Trotzdem ist es bisher nicht gelungen, den exakten Erbgang zu definieren. Damit können auch die dafür verantwortlichen Gene nur sehr schwer identifiziert werden. Eine wichtige Voraussetzung zur Entwicklung eines genetischen Tests fehlt damit noch. Entsprechende Anstrengungen in diese Richtung sind seit längerem verschiedenenorts im Gange.

 

Quelle: www.kleintiermedizin.ch

 

 

Hier noch zwei weitere Links zum Thema:

Erläuterungen von Frau Dr. Eichelberg (VDH)

SNPs der Weißerbigkeit beim Boxer (in englischer Sprache)

 

 

Darüber hinaus gilt es zu bedenken, dass diese Überlegungen nicht nur für weiße Boxer, sondern für den gesamten Komplex der Weißerbigkeit beim Boxer zu beachten sind. Bei Verpaarungen mit weißen Boxern sind alle Nachkommen Träger dieser Anlagen. Werden also weiße Boxer mit nicht weißerbigen, ausgefärbten Boxern verpaart, fallen ausschließlich ausgefärbte, weißerbige Welpen, von denen jeder Welpe einen Chromosomensatz des weißen Elternteils in sich trägt und somit die oben beschriebenen Anlagen.

 

Herzlichen Dank an Barbara Voigt/Boxerzucht vom Westerwald-Juwel (www.westerwald-juwel.de) für die Zusammenstellung der Links!

 

 

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